24
Mrz
12

Taxifahrer mit Strafzetteln nicht glaubwürdig

4.000 Hongkong-Dollar Strafe, rund 400 Euro, muss ein Taxifahrer in Hongkong an Strafe zahlen, weil er sich geweigert hat einen Fahrgast zu transportieren. So entschied  gestern das Stadt-Gericht von Kowloon, dem Zentrum der Sonderverwaltungszone Hongkong. Anlass der Verurteilung war ein Vorfall im Juni letzten Jahres, bei dem eine Beförderung verweigert wurde.

Dem Taxifahrer wurde zur Last gelegt, er habe die Fahrt in die weiter nördlich gelegenen „New Territories“ mit der Begründung abgelehnt, er sei nur für die Halbinsel Hongkong zuständig. Für die Fahrt zu dem außerhalb gelegenen Lake-Silver-Wohngebiet seien New Territories Taxis zuständig. Auf die Vorhaltung des Kunden, er habe ihn überallhin zu fahren und eine Verweigerung würde eine Beschwerde nach sich ziehen, hätte der Fahrer sinngemäß geantwortet: „Das liegt ganz bei ihnen.“ Der Kunde hat daraufhin die Ordnungsnummer des Taxis mit seiner Handykamera fotografiert und eine Beschwerde gegen den Fahrer eingereicht. Ähnlich wie bei der Beförderungspflicht in Deutschland, in der Taxifahrer Fahrtziele innerhalb eines festgelegten Pflichtfahrgebiets annehmen muss, hätte diese Fahrt aber ausgeführt werden müssen.

Der Fahrer schilderte den Vorgang vor Gericht anders. Der Kunde hätte ihm gar kein Fahrtziel genannt. Der Aufforderung ihn „Irgendwohin“ zu fahren wäre er nicht nachgekommen. Dazu sei er nicht verpflichtet. Auch widersprach er der Aussage des Kunden, der behauptete sich bereits im Taxi befunden zu haben und sei gezwungen worden das Fahrzeug wieder zu verlassen. „Wenn sie in meinem Taxi gesessen hätten, dann hätte ich sie auch befördert“, sagte der Fahrer vor Gericht. Er sei Katholik und würde schon alleine deshalb stets die Wahrheit sagen.

Der Auffassung schloss sich das Gericht nicht an. Der vorsitzende Richter meinte, der Kunde sei vertrauenswürdig und als zuverlässig bekannt, der Taxifahrer nicht. Diese Feststellung begründete der Richter damit, dass der Taxifahrer mit neun Strafzetteln wegen zu schnellen Fahrens und Fahrens bei roter Ampel seine Unzuverlässigkeit bewiesen hätte. Auch der Bitte des Fahrers um Milde, da er eine chronisch kranke Frau zu versorgen habe, folgte der Richter nicht und verurteilte ihn zu einer Geldstrafe von umgerechnet 400 Euro – was in etwa einem Monatsgehalt entsprechen dürfte.

In Hongkong gibt es rund 18.000 Taxis, von denen 15.000 den Stadtbereich bedienen und 3.000 so genannte New Territories Taxis sind. Weitere 50 Lizenzen wurden für das Gebiet der vom Festland abgeschnittenen Insel Lantau ausgegeben. Zusammen transportieren jeden Tag etwa 1,3 bis 1,4 Million Passagiere. Die roten städtischen Taxis sind die teuersten und bedienen die gesamte Sonderverwaltungszone Hongkong. Die grünen New Territories Taxis sind etwas billiger, bedienen aber nur das Gebiet außerhalb der Stadt. Allerdings dürfen sie sich auch an ausgewählten Taxiständen im Stadtgebiet bereitstellen. Die 50 blauen Taxis aus Lantau bieten ihre Dienste auf der Insel an. Eigentlich sind die Taxis der verschiedenen Distrikte verpflichtet, wenn sie ein Fahrtziel außerhalb ihres Bereiches ansteuern, wieder in ihren Heimatdistrikt zurückzufahren. Um die damit anfallenden Leerkilometer zu umgehen versuchen die Fahrer aber in der Regel diese Vorschrift zu unterlaufen. 

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