06
Mrz
12

„Deutlich erhöhte Aggressionsbereitschaft“

Österreichisches Jugendgeschworenengericht verurteilt 20-jährigen Taxi-Schläger zu Haftstrafe. Sein Opfer bleibt auf Dauer geschädigt.

 

Der Täter traf sein Opfer am Taxistand vor einer Disko in Wals im Salzburger Land. Dort stieg er reichlich alkoholisiert und ohne einen Cent Bargeld in ein Taxi. Der Fahrer verweigerte die Fahrt und forderte den 20-jährigen Martin G. auf das Taxi wieder zu verlassen. Da sei er heißgelaufen, so der bereits dreimal wegen Gewalttaten Vorbestrafte. Er trat mehrfach auf den Taxifahrer ein, verletzte ihn schwer im Gesicht. Dann nahm er 100.00 Euro an sich und verschaffte sich den Autoschlüssel. Seine Flucht mit dem erbeuteten Taxi endete allerdings schon nach wenigen hundert Metern: ein Straßenbegrenzungsstein stoppte die Fahrt0.

 

Der Taxifahrer leidet heute noch unter den Folgen des Angriffs. Durch die Tritte ins Gesicht erlitt er einen Augenhöhlenbruch und einen Abriss des Augenmuskels. Er ist seitdem dauerhaft sehgeschädigt. Er ist nicht das erste Gewaltopfer des Martin G. Der hatte bereits vor einem Jahr den Schaffner einer Lokalbahn im Streit schwer verletzt. Den Angriff auf den Taxifahrer bestritt er allerdings. Die Staatsanwaltschaft legte ihm unter anderem „absichtliche schwere Körperverletzung mit schweren Dauerfolgen sowie Diebstahl“ zur Last.

 

Trotzdem war das Urteil, dass das Salzburger Jugendgeschworenengericht jetzt gegen ihn fällte, schon wegen der Vorstrafen keine Überraschung: Dreieinhalb Jahre ohne Bewährung. Zudem wurde die Einweisung in eine Anstalt angeordnet. Das Urteil stützt sich dabei auf ein Gutachten des Neuropsychiaters an der Universität Salzburg Ernst Griebnitz: „Der Angeklagte leidet unter einer psychischen Störung. Er weist bei Alkoholmissbrauch eine deutlich erhöhte Aggressions- und Gewaltbereitschaft auf. Es liegt nahe, dass er dann wieder ähnliche Straftaten begeht. Er braucht stationäre Behandlung. Die Einweisung in eine Anstalt für zurechnungsfähige, aber geistig höhergradig abnorme Rechtsbrecher ist zu empfehlen.“ Wie die Salzburger Nachrichten berichten ist das Urteil noch nicht rechtskräftig.

 

Auch in Deutschland werden immer wieder Taxifahrer angegriffen. Die Urteile lassen dabei manchmal an Konsequenz vermissen. Ein Taxibus-Kollege aus München, dem ich nach Dringend-Ruf zu Hilfe kam, konnte als Folge des Angriffs zweier Jugendlicher seinen Beruf nicht mehr ausüben. Alleine die körperlichen Schäden, die ihm während des Angriffs zugefügt wurden, rechtfertigten eine Krankschreibung über sechs Monate. Ein Versuch die Arbeit wieder aufzunehmen scheiterte an Panik-Attacken, wie er mir später erzählte. Die Münchner Staatsanwaltschaft stellte das Verfahren gegen die beiden Täter seinerzeit ein. „Mangels öffentlichem Interesse“, wie es in einem Schreiben an den Geschädigten hieß. 

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