04
Mrz
12

Presserat rügt Spiegel-online wegen Taxi-Berichterstattung

Zugegeben: Die Meldung ist nicht ganz neu. Trotzdem ist diese Nachreicht wert, noch einmal aufgegriffen zu werden.

Unter der Rubrik „Warteschleife“ wurde im vergangenen Jahr auf Spiegel-online ein Artikel von Tom König veröffentlicht, in dem auf polemische Weise der Berufsstand des Taxifahrers in den Dreck gezogen wurde. Anders kann man den mit „Wo du wolle?“ titulierten Rundumschlag gegen Taxifahrer nicht bezeichnen. Dabei wurde in kishonesker Manier über Taxifahrer hergezogen. Sie wurden als generell inkompetent und wenig der Sauberkeit zugetan dargestellt. Außerdem wurde ihnen ein Alkoholproblem angedichtet.

Tatsächlich gibt es ja unter den tausenden Taxifahrern in Deutschland den einen oder anderen, auf den das zutreffen mag, nur die überwiegende Mehrheit versteht sich als kompetente und professionelle Dienstleister. Unterstützung fand deren Protest gegen die Falschdarstellung ihres Gewerbes durch den deutschen Presserat, der dem Spiegel für diesen Artikel seine Missbilligung aussprach. Sie sahen in der pauschalisierenden Darstellung der Taxifahrer als dumme und faule Galgenvögel einen Verstoß gegen den Pressekodex. „Das kollektive, empirisch nicht ansatzweise unterlegte abwertende Urteil jedoch, das gefällt wird, diskriminiert die Gruppe der Taxifahrer, die am Flughafen ihre Dienste anbieten. Es wird als gruppenbezogene Tatsache dargestellt, was lediglich Einzelerfahrung des Autors ist“, so die Begründung. Übersetzt heißt das: Tom König hat nicht sorgfältig recherchiert und Einzelfälle verallgemeinert.

Was man Tom König zugute halten kann, ist, dass mangelnde Recherche langsam zum Markenzeichen der Journalismusbranche avanciert. Um nicht selbst in die Verallgemeinerungs-Falle zu tappen: Diese Aussage bezieht sich auf die Taxidarstellung in den Medien. Zugegeben: Das Taxigewerbe ist eine Welt für sich. Die auf Anhieb zu verstehen wird eine Volontär (He Volo, mach uns bis morgen mal was lokales über Taxi!) wahrscheinlich überfordern. Das schlägt sich in der Berichterstattung nieder. Da schaltet ein Taxifahrer schon mal den Taximeter und der der Funkordnung unterworfene Funkverkehr wird so prosaisch dargestellt, wie eine Unterhaltung am sonntäglichen Kaffeekränzchen. Eine Abbildung unseres Arbeitsalltags ist das sicher nicht. Bei allen mildernden Umständen: Von einem Reporter des Spiegel hätte man da mehr erwarten dürfen. Die Missbilligung des Presserates ist deshalb umso willkommener.

Nachtrag: Spiegel-online hat zwar die schärfsten Formulierungen aus dem Online-Artikel getilgt. Im Großen und Ganzen ist er aber immer noch abrufbar.

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